Natur und Bildung für Gießen

Fort Giessen stammt aus dem Jahr 1879. Es ist ein Sonderfall innerhalb der Neuen Holländischen Wasserlinie: Das Fort liegt außerhalb des Überflutungsgebiets von Altena. Dafür gibt es einen praktischen Grund: Das Land von Altena ist weniger flach, als es den Anschein hat. Es gibt in der Landschaft einige Höhenunterschiede. Um zu verhindern, dass das Land an anderen Stellen zu stark unter Wasser geriet, blieb bei einer Überflutung rund um Giessen ein trockenes Stück Land übrig. Fort Giessen sollte den Zugang zum geschützten Hinterland verteidigen.

Fort Giessen während der Weltkriege

Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs war das Fort Giessen voll besetzt, aber die Niederlande blieben neutral. Die mobilisierten Soldaten verbrachten ihre Zeit daher mit Kampfübungen und legten ein Grabensystem mit Gruppenunterkünften an. Einige dieser Unterstände sind heute noch rund um das Fort zu finden.

Zweiter Weltkrieg

Im Jahr 1922 wurde das Befestigungssystem neu geordnet. Das Fort Giessen lag nach dieser Neuordnung isoliert vor der Linie und wurde daher als ungeeignetes Verteidigungsbauwerk angesehen. Die Regierung erwog den Abriss des Forts, aber die Abrisskosten waren viel höher als die Einnahmen. So blieb das Fort stehen. Seine Funktion als Festung wurde abgeschafft, und das Gebäude wurde von Polizei, Armee und Zoll als Lager genutzt.

Das Fort wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht von der niederländischen Armee mobilisiert. Die Deutschen nutzten es als Lager, unter anderem für Munition.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Kurz nach der Befreiung wurden in dem Fort Landminen gelagert. Am 21. Juni 1945 explodierte eine dieser Minen, als Kinder die Räume mit der Munition erkundeten. Leider überlebten die Jungen im Alter von 12 und 15 Jahren diesen Unfall nicht. Im Inneren des Forts sind die Schäden dieser Explosion noch immer sichtbar. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Fort mehrere Monate lang als Internierungslager/Gefängnis für NSB-Mitglieder und andere politische Straftäter.

Nach 1951

Nach der Stilllegung der Nieuwe Hollandse Waterlinie im Jahr 1951 diente das Fort Giessen als Munitionsdepot. In den folgenden Jahren siedelten sich dort auch überwinternde Fledermäuse an. 1972 übertrug die Regierung das Fort an die Brabants Landschap, die das Fort später auch dem Naturschutzverein Altenatuur und der archäologischen Gesellschaft Het land van Heusden en Altena zur Verfügung stellte.

Renovierung

Als das Fort übergeben wurde, war es in einem erbärmlichen Zustand. Die Keller waren überflutet, die Fußböden waren schlecht und die elektrische Anlage war dringend renovierungsbedürftig. Im Jahr 2016 wurde das Fort gründlich renoviert. Mitglieder der Vereine arbeiteten zusammen mit Brabants landschap hart daran, das Gebäude bewohnbar zu machen. Das Mauerwerk wurde repariert und die Dächer wurden wieder wasserdicht gemacht. Schließlich wurde dem Ersten Weltkrieg mehr Aufmerksamkeit gewidmet: Im Inneren wurde ein Ausstellungsbereich eingerichtet und im Freien ein Park mit angrenzendem Fußweg angelegt, um an diesen Krieg zu erinnern. Nach und nach erhielt es seine heutige Funktion als Bildungs- und Naturfestung.

Fledermäuse in Fort Giessen

Fledermäuse haben in den Gebäuden von Fort Giessen ein Zuhause gefunden. Im Fort ist ihnen ein frostfreier Überwinterungsplatz sicher. Es ist feucht, sehr wichtig für Fledermäuse, ruhig und dunkel.

Bei der Renovierung im Jahr 2016 wurde besonders darauf geachtet, dass diese kleinen Säugetiere ihr Winterquartier behalten können. Die Luftfeuchtigkeit ist konstant, und es wurden bessere Zugänge für die Tiere geschaffen. Die Bartfledermaus, das Braune Großohr, die Zwergfledermaus, die Breitflügelfledermaus und die Wasserfledermaus wurden im Fort gefunden.

Naturfakten und Archäologie

Heute ist das Fort Giessen ein Ort, an dem Naturschutz, Kulturerbe und Bildung im Mittelpunkt stehen. Geschichtenerzählerin Prisca erhielt dort eine ausführliche Führung und tauchte in die besondere Geschichte des Gebiets ein. Bei ihrem Besuch erfuhr sie, dass dieses Fort, das einst als Teil der Neuen Niederländischen Wasserstraße gebaut wurde, im Ersten Weltkrieg eine entscheidende Rolle spielte. Sie ging durch die noch erkennbaren Schützengräben, besuchte die Pulverkammern und sah mit eigenen Augen, welche Spuren dieser Epoche noch sichtbar sind.

Aber Prisca entdeckte mehr als nur Geschichte: Sie lernte die reiche Natur auf und um das Fort herum kennen, wo Freiwillige täglich daran arbeiten, es zu erhalten und zu restaurieren. Ihr Engagement sorgt dafür, dass Fort Giessen zu einem lebendigen Ort geworden ist, an dem Vergangenheit und Gegenwart zusammenkommen.

Geschichte lesen

Erleben Sie Fort Giessen

Besichtigen Sie die Schützengräben und Pulverkammern, erfahren Sie alles über den Ersten Weltkrieg in der Region oder entdecken Sie die besondere Natur auf und um das Fort.

Praktische Informationen

Das Fort Giessen ist an bestimmten Tagen geöffnet. Schauen Sie im Kalender des Forts nach, wann es geöffnet ist. Von September bis April ist das Fort geschlossen, damit die Fledermäuse ihren Winterschlaf halten können. Ein Spaziergang um das Fort (außerhalb des Festungsgrabens) ist immer möglich, ebenso wie ein Besuch des World War I Education Park.

Anschrift: Gießensesteeg 2, Gießen

Für Informationen oder Buchungen von Führungen für Gruppen, Unterrichtsstunden für Grund- und weiterführende Schulen oder Tagungsräume wenden Sie sich bitte über die Website an oder mit dem Verwalter:

Herr John Kollen / Tel. 0654284567 / j.kollen@casema.nl