Auf der Suche nach dem König des Biesbosch: Mit auf Biber-Safari mit Förster Jonathan

| Jeanine Verbraak | Lesezeit: 6 Minuten |

Die Fotografin und Geschichtenerzählerin Jeanine Verbraak begibt sich auf eine Bibersafari durch den Nationalpark De Biesbosch. Gemeinsam mit dem Förster Jonathan von der staatlichen Forstverwaltung „Staatsbosbeheer“ entdeckt sie die außergewöhnliche Natur, die sich wandelnde Gezeitenlandschaft und die vielen Tiere, die hier leben. Während die Sonne langsam untergeht, beginnt die Suche nach dem König des Biesbosch. Zwischen Nagespuren, Schilffeldern und überhängenden Ästen erlebt sie, wie besonders es ist, einen Biber in aller Ruhe aus nächster Nähe zu beobachten.

Ein lauer Sommerabend und ein Boot voller neugieriger Naturliebhaber. Um sechs Uhr abends gehe ich am Yachthafen Vissershang an Bord für die Bibersafari der staatlichen Forstverwaltung. Jung und Alt blicken erwartungsvoll über das Wasser. Meine Sonnencreme hat sich bereits als nützlich erwiesen, das Mückenspray steckt sicherheitshalber in meiner Tasche und auch eine Jacke liegt bereit für später am Abend. Vier Stunden lang ziehen wir mit Förster Jonathan durch das vielleicht außergewöhnlichste Naturschutzgebiet der Niederlande: den Nationalpark De Biesbosch.

Natürlich hoffen alle auf eines: einen Biber. Doch noch bevor wir auch nur einen Schwanz oder eine Nagespur gesehen haben, stellt sich heraus, dass es an diesem Abend um viel mehr geht als nur um dieses beeindruckende Nagetier.

Eine Landschaft, die sich zweimal täglich verändert

Sobald das Boot sanft durch die Bäche gleitet, beginnt Förster Jonathan zu erzählen. Während links und rechts die Weiden fast über das Wasser hängen, fühlt es sich an, als würden wir irgendwo tief in einem tropischen Dschungel fahren. Doch nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. „De Biesbosch ist eigentlich ein sehr junges Naturschutzgebiet.“ Und das überrascht mich, denn alles sieht uralt aus.

Jonathan erklärt, dass wir in einem der nur zwei Süßwasser-Gezeitengebiete Europas unterwegs sind. Zweimal täglich fließt das Wasser in den Biesbosch hinein und wieder hinaus. Dieses Wasser stammt letztlich aus dem Rhein und der Maas. Regen, der manchmal Hunderte von Kilometern entfernt in Österreich oder Frankreich gefallen ist, fließt schließlich hier vorbei.

Das Wasser bringt ständig Schlamm, Nährstoffe und neues Leben mit sich. Kein Tag sieht die Landschaft genau gleich aus. Die Natur ist hier ständig in Bewegung. Und es gibt schlichtweg keinen zweiten Biesbosch.

Wie aus einer Hochwasserkatastrophe ein Naturwunder wurde

Während das Boot weiterfährt, nimmt uns Jonathan gut sechshundert Jahre in die Vergangenheit mit.

Im November 1421 veränderte die Elisabethflut dieses Gebiet für immer. Die „Grote Waard“ wurde vollständig überflutet, Dutzende von Dörfern verschwanden unter Wasser, und jahrelang war hier ein einziges großes Binnenmeer. Mit jeder Flut wurde Schlamm angeschwemmt. Langsam entstanden Untiefen, auf denen als erste eine Pflanze zu wachsen begann: das Mattenbies. Dieser Pflanze verdankt der Biesbosch sogar seinen Namen. Danach folgten Schilffelder, Weidenwälder und schließlich die charakteristischen Grienden, die wir heute kennen.

Wenn ich nach draußen schaue, kann ich mir kaum vorstellen, dass diese Landschaft einst überhaupt nicht existierte.

Plötzlich schauen alle nach oben

Plötzlich zeigt Jonathan in den Himmel. „Fischadler!“ In einer einzigen Bewegung reckt sich das ganze Boot nach oben. Und da schwebt er. Fast regungslos in der Luft, wie im Gebet über dem Wasser. Mit einer Flügelspannweite von etwa 1,70 Metern ist er ein beeindruckender Anblick. Seit 2016 brütet der Fischadler wieder im Biesbosch. Möglich wurde dies unter anderem durch das Noordwaard-Projekt, bei dem Tausende Hektar Ackerland dem Wasser zurückgegeben wurden.

Interessante Tatsache: Manche Fischadler werden mit einem Ring mit einem eindeutigen Code versehen. Dank dieser Ringe wissen Forscher genau, wohin die Vögel fliegen. So wurde ein hier gesichteter Fischadler bereits vier Wochen später in Gambia wieder gesichtet.

Ein Naturgebiet, das lebt

Wenig später legen wir an, um einen kurzen Spaziergang zu machen. Jonathan lässt uns Kraailook probieren, einen Verwandten der Zwiebel, und erzählt von der Vogelwicke, deren Blüten seiner Meinung nach alle wie kleine Vögel aussehen. Wenn man das einmal gesehen hat, kann man es nicht mehr übersehen. Er erzählt, wie alte landwirtschaftliche Polder in wertvolle Naturgebiete umgewandelt wurden. Dank einer klugen Wasserwirtschaft entstanden ausgedehnte Schilfgebiete, in die Vögel wie der Purpurreiher, der Bartgänser und der geheimnisvolle Rohrdommel zurückgekehrt sind.

Die Rohrdommel fasziniert mich vielleicht am meisten. Ich habe sie bei einer früheren Kanutour gehört, aber nicht in echt gesehen, da sie perfekt getarnt ist. Sobald Gefahr droht, streckt er seinen Hals senkrecht nach oben. Dank der hellen Längsstreifen sieht er genauso aus wie das Schilf, in dem er steht. Selbst wenn es windet, bewegt er sich mit. Dieser „seltsame“ Vogel steht nun ganz oben auf meiner Fotografie-Wunschliste.

Dann beginnt die wahre Entdeckungsreise

Wenn wir wieder an Bord gehen, stehen Brötchen und warme Suppe bereit. Jonathan erzählt, dass mittlerweile etwa 300 bis 400 Biber im Biesbosch leben, verteilt auf etwa 100 bis 125 Biberburgen. In einer solchen Burg leben die Eltern zusammen mit den Jungtieren dieses Jahres und denen des letzten Jahres.

Unterwegs sehen wir überall Spuren. Frisch angeknabberte Bäume und Rutschspuren am Ufer. Biber erweisen sich als echte Naturarchitekten. Jeder Baum ist für einen Biber eigentlich ein kompletter Baumarkt. Indem sie Bäume anknabbern, Wasser zurückhalten und neue Lebensräume schaffen, erhöhen sie die Artenvielfalt enorm.

Wussten Sie, dass...

Die Zähne eines Bibers wachsen nie aus? Sie wachsen ihr ganzes Leben lang weiter. Deshalb muss ein Biber ständig an Bäumen und Ästen nagen. Tut er das nicht, werden seine Zähne schließlich viel zu lang.

Die Sonne sinkt langsam in Richtung Horizont

An Bord wird es still. Alle Blicke richten sich auf das Ufer. Unter überhängenden Ästen, zwischen gewundenen Baumwurzeln und in dunklen Ecken halten wir Ausschau nach dem typischen Bewohner des Biesbosch: dem Biber, der sich dort gerne versteckt.

Und da ist er nun: Eine kleine dunkle Kopfform taucht über dem Wasser auf. Ruhig schwimmt er am Ufer entlang. Unser Boot gleitet langsam mit ihm mit. Minutenlang treibt er ungestört weiter, während Dutzende von Menschen atemlos zuschauen. Wie besonders, das in aller Ruhe beobachten zu dürfen.

Praktische Informationen zur Bibersafari

Start: Yachthafen Vissershang
Veranstalter: Staatsbosbeheer
Dauer: 18:00 bis 22:00 Uhr

Was solltest du mitnehmen?
Ein Fernglas, eine Kamera, Sonnencreme, Mückenspray und eine Jacke für die Rückfahrt sind meiner Meinung nach unverzichtbar.

Welche Tiere kann man beobachten?
Neben Bibern leben hier unter anderem Fischadler, Seeadler, Eisvögel, Purpurreiher, Rohrdommeln, Löffler, Rehe, Füchse und unzählige Libellenarten.

Ist der Biesbosch für Kinder geeignet?
Auf jeden Fall. Gerade die Suche nach Bibern macht den Ausflug für Kinder spannend. Der Förster bringt verschiedene Materialien mit, die man anschauen, anfassen und sogar riechen darf. Bei unserer Tour waren Teilnehmer aller Altersgruppen an Bord.