Eine Kanutour durch den erwachenden Biesbosch

| Jeanine Verbraak | Lesezeit: 4 Minuten |

Die Fotografin und Geschichtenerzählerin Jeanine Verbraak steigt in aller Frühe in ein Kanu, um eine besondere Tour durch den Biesbosch zu unternehmen. Während die ersten Sonnenstrahlen den Nebel durchbrechen, erkundet sie gemeinsam mit den Führern Sjaak und Paul die stillen Bäche dieses wunderschönen Naturgebiets. Zwischen spiegelglattem Wasser, erwachenden Vögeln und unerwarteten Begegnungen mit außergewöhnlichen Tieren entdeckt sie, warum der Biesbosch gerade am frühen Morgen am schönsten ist.

Sjaak ergreift sofort begeistert das Wort. Man merkt sofort: Das ist jemand, der für den Biesbosch lebt. Während er alle willkommen heißt, verteilt er die Ausrüstung, die wir benutzen dürfen. Einen Drybag, eine Schwimmweste, Kanus und natürlich die Paddel. Paul bleibt ruhig im Hintergrund, ist aber in die Gruppe eingebunden. Sjaak wird später vorne vorfahren, Paul schließt sich hinten an, damit unterwegs niemand zwischen den Bächen verloren geht.

 

Spiegelglattes Wasser und besondere Begegnungen

Mal ehrlich? Die Bedingungen könnten nicht besser sein. Eine dünne Nebelschicht hängt über dem Wasser. Kein Lüftchen weht. Nur ein sanftes Morgenrot, das langsam über die Landschaft kriecht. Das Wasser wirkt wie ein Spiegel. Zusammen mit einem Freund steige ich in das Zweierkanu. Ein kurzes Wackeln, und schon gleiten wir langsam aufs Wasser hinaus. Vom ersten Moment an fühlt es sich an, als würden wir in eine andere Welt hineinfahren. Wir paddeln durch schmale Bäche, und dann öffnen sich die Wasserwege plötzlich zu weiten Ebenen voller Leben.

Wir fahren durch die Ruigt, und genau dort passiert das, worauf jeder Naturliebhaber hofft. „Jeanine, Jeanine, schau mal da!“ Zuerst zögert man noch: ein seltsamer Vogel ohne Hals? Doch dann sehen wir ihn deutlich: einen Biber! Was für ein Glücksmoment! Und keine Viertelstunde später sehen wir den Eisvogel, wunderschön leuchtend blau am Ufer. Zwei persönliche Favoriten an einem Vormittag – das kommt nicht oft vor.

Die Frühaufsteher des Biesbosch

Unterwegs kehrt ein Geräusch immer wieder zurück: der geheimnisvolle Ruf der Rohrdommel. Ein tiefer, dröhnender Klang aus dem Schilf. Als würde irgendwo, versteckt, jemand auf einem Didgeridoo spielen. Der Klang verleiht der Tour etwas Magisches. Wir lauschen alle gespannt und spähen ins Schilf, doch die Rohrdommel lässt sich nicht blicken. De Biesbosch gibt nicht alles einfach so preis.

Sjaak kennt den Biesbosch wie seine Westentasche und erzählt unterwegs voller Begeisterung von den Tieren, den Spuren und der Gegend. Keine trockenen Fakten, sondern Geschichten, die zu der Umgebung passen, durch die man gleitet. Man merkt an allem, dass er dies mit Leidenschaft tut. Überall sehen wir Vögel. Gänse, Reiher, Haubentaucher, Schwäne und alle möglichen anderen Wasservögel, die schon in den frühen Morgenstunden aktiv sind. Da zeigt Sjaak plötzlich nach vorne. „Haubentaucher!“ Drei Haubentaucher schießen aus dem Wasser und fliegen knapp über uns hinweg. Fantastisch, das aus solcher Nähe mitzuerleben!

Und als Sahnehäubchen: vielleicht sogar ein Otter?

Aber das vielleicht Besondere von allem: Zwei Mitfahrer glauben, einen Otter gesehen zu haben! Der Otter war in den Niederlanden aufgrund von Umweltverschmutzung und Lebensraumverlust lange Zeit verschwunden, kehrt aber dank Wiederansiedlungsprojekten langsam in unsere Gewässer zurück. Der Otter wurde vor einigen Jahren auch mehrmals im Biesbosch gesichtet und fotografiert. Er ist ein scheues, größtenteils nachtaktives Tier, weshalb eine Sichtung bei Tageslicht etwas ganz Besonderes wäre. Wir warten nun auf die nächste Sichtung mit Foto, um sicher zu sein, dass der Otter endgültig in den Biesbosch zurückgekehrt ist.

Als wir wieder an Land gehen, scheint die Welt inzwischen vollständig erwacht zu sein. Der Nebel hat sich aufgelöst, die Sonne steht hoch über dem Wasser, und die Stille des frühen Morgens ist dem Klang eines neuen Tages gewichen. Genau solche Morgen vergisst man nicht so schnell. Morgen, an denen sich der Biesbosch von seiner schönsten Seite zeigt.

Möchten Sie auch einmal aufs Wasser hinausfahren?

Über „Sjaaks Biesbosch Tour“ kannst du sowohl Morgen- als auch Abendtouren buchen. Das geht ganz einfach über die Website. Im Vorfeld erhältst du praktische Tipps, damit die Vorfreude schon gleich beginnen kann. Während der etwa vierstündigen Tour von rund zehn Kilometern Länge ist unterwegs Zeit für eine Pause mit Kaffee oder Tee und einer kleinen Leckerei. Sjaak behält das Wetter genau im Auge, damit du den Biesbosch unter den bestmöglichen Bedingungen erleben kannst. Genau so, wie wir es an diesem Morgen erleben durften.

Möchten Sie lieber selbst aufs Wasser hinausfahren? Mieten Sie ein Kanu bei Docks Vissershang in Hank oder im Yachthafen van Oversteeg in Werkendam.