Eine verborgene Welt im „Het Pompveld
Die Geschichtenerzählerin und Fotografin Jeanine entdeckt die verborgene Entenfalle in Het Pompveld. Während des seltenen Tages der offenen Tür spaziert sie durch das Naturschutzgebiet, lernt die jahrhundertealte Fangtechnik kennen und erlebt die Ruhe dieses einzigartigen Stücks Kulturerbe.
Um 10:00 Uhr stehe ich an der Midgraaf 27 in Babyloniënbroek. Der Morgen ist noch frisch, und es herrscht diese typische Atmosphäre eines Ortes, der normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Heute ist eine solche Ausnahme: der Tag der offenen Tür bei der Entenfalle in Het Pompveld , organisiert von Brabants Landschap. Nur einmal alle zwei Jahre wird dieses Gebiet für Besucher geöffnet.
Vom Ausgangspunkt aus beginnt eine Wanderung von etwa 15 bis 20 Minuten. Der Weg führt langsam in die Landschaft hinein, hin zur Stille. Obwohl es trocken ist, sind die Lehmwege rutschig. In meinen Stiefeln spüre ich bei jedem Schritt, wie der Boden nachgibt. Die Landschaft zwingt einen fast dazu, das Tempo zu drosseln.
Ein funktionales historisches System
Die Entenfalle wird hier nicht einfach nur als Teil der Landschaft bezeichnet, sondern gilt als das Aushängeschild von Het Pompveld. Das gesamte Gebiet ist etwa 250 Hektar groß und wurde im Laufe der Zeit noch erweitert. Was du hier siehst, ist kein Freizeitsee oder Teich, wie du ihn kennst, sondern ein funktionales historisches System, bei dem es einst nur um eines ging: Enten fangen.
Ein Entenfangbecken erweist sich im Grunde als überraschend einfach. Keine große Konstruktion oder komplizierte Anlage, sondern ein etwa einen halben Hektar großer Teich mit vier Fangrohren. Wer so etwas noch nie gesehen hat, malt sich oft die wildesten Vorstellungen davon aus, erzählt der Entenfänger. Als wäre es eine Art geschlossener „Käfig“, voller Enten. In Wirklichkeit handelt es sich um eine geschickt gestaltete Landschaft, in der Wasser, Ruhe und Struktur zusammenkommen.
Heutzutage wird der „Kooiker“ nicht mehr zum Entenfang genutzt. Er wird von einer Gruppe von Freiwilligen gepflegt, um das Kulturerbe zu bewahren und zu Bildungszwecken zu nutzen.
Das Leben der Kooiker
Früher war der Kooiker ein eigenständiger Beruf, und oft lebte dieser Mann buchstäblich auf und rund um den Kooiker. Im Winter ging es um das Fangen von Enten, im Sommer um die Instandhaltung: Äste, Wege, Wasser – alles musste in Ordnung bleiben. Selbst am späten Abend wurde noch gearbeitet. Nicht, weil es sein musste, sondern weil die Stille und Ruhe des Koois unerlässlich waren. Schon das Knacken eines alten Astes konnte ausreichen, um die Enten zu stören.
Der Kooiker arbeitete nie allein. Sein wichtigster „Mitarbeiter“ war der Hund. Dieser spielte eine entscheidende Rolle im gesamten System.
Drei Entenarten, ein System
In einem gut funktionierenden Entenkoi gab es drei Entenarten:
- Die erste Gruppe waren die zahmen Enten. Diese wurden täglich um 09:00 Uhr gefüttert. Sie hatten sich an den Kooiker und den Hund gewöhnt und reagierten kaum noch auf deren Anwesenheit.
- Die zweite Gruppe bildeten die sogenannten „Staleenden“: halb zahm, halb wild. Enten aus der Umgebung, zum Beispiel von Bauernhöfen, die ab und zu vorbeikamen und sich unter die anderen mischten.
- Und dann waren da noch die Wildenten. Sie waren das Ziel des gesamten Systems. Sie mussten angelockt, gelenkt und schließlich gefangen werden.
Das Koorrecht und die Ruhevorschriften
Einst gab es 118 registrierte Entenfallen, heute sind es noch rund 100. Jede Falle muss instand gehalten werden, und mindestens ein Rohr muss funktionsfähig und fängbar sein. Dazu braucht man einen Fallenbetreiber und damit auch das sogenannte Fallenrecht.
Dieses Recht ist mehr als nur eine Formalität. Um eine Entenfalle herum gilt das Abgrenzungsrecht: eine Schutzzone, in der Störungen so weit wie möglich vermieden werden. Selbst Trubel oder Lärm können dazu führen, dass Enten wochenlang fernbleiben. Ruhe war daher von lebenswichtiger Bedeutung: ohne Enten kein Fang und ohne Fang kein Einkommen.
Die meisten Entenfallen stammen bereits aus dem 17. Jahrhundert. Das System ist also Hunderte von Jahren alt und in der Landschaft noch immer sichtbar.
Cleverer Fang, Wind und Instinkt
Die Fangrohre des Käfigs sind strategisch platziert, eines für jede Windrichtung. Alles dreht sich um den Wind. Enten starten und landen gegen den Wind. Früher achtete der Käfigwärter ständig auf die Windrichtung. Der Fang ließ sich nie genau planen; es war immer eine Frage der Einschätzung, der Erfahrung und des richtigen Zeitpunkts.
Die Technik selbst ist überraschend raffiniert. Mithilfe des Hundes, der sich durch kleine Luken in den Fangrohren bewegt, werden die Enten neugierig gemacht. Während der Führung wird demonstriert, wie sich der Hund durch die Luken bewegt. Der Hund bewegt sich in einem Muster, das ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht, als ob eine natürliche „Bedrohung“ vorhanden wäre. Der Hund ahmt sozusagen den Fuchs nach, den natürlichen Feind der Ente. Deshalb trägt er auch eine Feder am Schwanz.
Aus Neugier folgen die Enten dem Rohr hinein. Zunächst ist es noch offen und hell, später wird es enger und stiller. Am Ende scheint ein Entkommen möglich, doch genau dort ist der Ausgang versperrt. Mit einer einfachen Bewegung an einem Seil kann eine Klappe herunterfallen. Eine einzige Chance, keine zweite.
Zurück zum Kooikerhäuschen
Nach dem Rundgang um den See laufen wir zurück zum Kooikerhäuschen. Dort liegt inzwischen der Duft von frisch gebackenen Hamburgern in der Luft. Gegenüber dem Kooikerhäuschen stehen zwei Mädchen, die über Bienen, Waben und die Honiggewinnung berichten. Mit sichtbarer Begeisterung erzählen sie, wie Bienen Nektar aus Blüten sammeln, ihn in den Bienenstock bringen und in den Waben lagern. Dort wird der Nektar langsam in Honig umgewandelt, woraufhin die Zellen mit einer dünnen Wachsschicht verschlossen werden.
Etwas weiter entfernt sind Kinder mit Keschern eifrig im kleinen Graben beschäftigt. Sie fangen kleine Fische, und es wird sogar ein Flusskrebs aus dem Wasser geholt. Bevor ich mich versehe, schauen auch Erwachsene zu und suchen mit. Das sorgt für eine entspannte Atmosphäre, in der jeder für einen Moment den Alltagsstress vergisst und wieder Kind ist.
Ein schöner Kontrast: auf der einen Seite ein jahrhundertealtes System, bei dem sich alles um Stille, Wind und Instinkt dreht, und auf der anderen Seite die einfache Freude an Schlamm an den Stiefeln und einem Fischchen im Netz. In einer Welt, die normalerweise verschlossen bleibt und die heute für einen kurzen Moment offen war.
Möchten Sie „Het Pompveld “ selbst erkunden?
Die Entenfalle im Pompveld ist nur am Tag der offenen Tür zugänglich, der alle zwei Jahre stattfindet. Der Wanderweg rund um die Anlage ist jedoch das ganze Jahr über zugänglich. Wir bieten verschiedene Wanderrouten entlang des Pompveld an, wie zum Beispiel die Rundwanderung „Babyloniënbroek“ und die Rundwanderung „Waardhuizen“.
Für Familien gibt es den Erlebnispark von Brabants Landschap, in dem Kinder spielerisch die Natur entdecken können. Klettert über Trittsteine, pumpt Wasser, balanciert über Baumstämme, baut Hütten aus Ästen und erkundet mit einem Kescher, was alles im Wasser lebt. Ein idealer Ort zum Spielen, Lernen und Erleben in der Natur.